Lange Nacht der Forschung 2026
Informationen zum Stand "Was ist Ableismus?" in digitaler Form
Barrierefreiheit
Die Inhalte sind in schwerer und Einfacher Sprache verfügbar. Außerdem ist die Textversion für den Lesemodus (mit Vorlesefunktion) optimiert und generell reizärmer formatiert.
Kurzvorstellung
Gemeinsam haben Michaela Joch und Rahel More vom Institut für Bildungswissenschaft im Rahmen der Langen Nacht der Forschung 2026 (LNF26) einen Stand zum Thema „Was ist Ableismus?“ angeboten.

Michaela Joch und Rahel More bei der LNF26. Michaela Joch nutzt den Avatar der Volkshochschulen Wien. © Markus Korenjak
Sie forschen beide zu Ableismus. Michaela Joch beschäftigt sich mit Ableismus z.B. im Kontext von Bildung und Arbeit. Rahel More leitet das Projekt "Ableism, the dis/ability binary and beyond". Unsere gesammelten Erkenntnisse sind in die Gestaltung des Standes miteingeflossen.
Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu unserem LNF26-Stand.
Was ist Ableismus?
Was ist Ableismus?
Able·is·mus Substantiv, maskulin [ɛɪ̯bəˈlɪsmʊs]
- Ableismus kommt vom englischen Wort Ableism. To be able bedeutet fähig sein.
- Der Begriff Ableismus kommt von behinderten Menschen. Sie protestieren damit gegen ihre Unterdrückung.
- Behinderte Menschen werden ausgegrenzt, weil sie etwas nicht können, anders machen oder andere Fähigkeiten haben.
Wichtig
- Alle Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten.
- Alle Menschen sind gleich viel wert.
- Alle haben ein Recht auf Teilhabe.
Beispiele für Ableismus
Beispiele für Ableismus
- Im Krankenhaus werden Informationen nur in Fachsprache erklärt.
- In der Schule müssen alle Kinder ruhig sitzen. Wer nicht ruhig sitzen kann, darf nicht mitmachen.
- Menschen mit Behinderungen finden wegen Vorurteilen keine Arbeit.
- Menschen glauben, dass man alles erreichen kann, wenn man sich genug anstrengt.
Ableistische Sprache
Ableismus wird auch durch Sprache deutlich. Vor allem dann, wenn durch bestimmte Ausdrücke und Begriffe Menschen abwertet oder ausgegrenzt werden. Meist sind es behinderte Menschen, die von ableistischer Sprache betroffen sind.
Beispiele für ableistische Äußerungen:
„Es ist so inspirierend, dass du trotz deiner Behinderung studierst!“
Warum ist das ableistisch?
- „trotz“ Behinderung: Damit wird angedeutet, dass Menschen mit Behinderungen weniger fähig wären zu studieren. Die meisten behinderten Menschen können wegen der Barrieren und Zugangshürden nicht studieren und nicht, weil sie mit Behinderungen leben. Das verkennt ihre Lebensrealität.
- “Inspirierend”: Menschen mit Behinderungen werden z.B. in (Sozialen) Medien oft nur als Inspiration dargestellt, um Menschen ohne Behinderungen zu motivieren oder sich besser zu fühlen. Das macht sie zu Objekten. Dabei wird die Person auf ihre Behinderung reduziert und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Rechte werden ignoriert. (siehe dazu den TED Talk von Stella Young – I am not your inspiration, thank you very much.
Besser:
- „Schön, dass du studierst!“
- „Was studierst du?“→ Die Person wird in erster Linie als Studierende*r gesehen
„Das ist ja voll behindert!“
Warum ist das ableistisch?
- Hier wird „behindert“ als Schimpfwort und Abwertung benutzt.
- Es vermittelt, dass „behindert sein“ schlecht oder negativ ist.
- Das verletzt Menschen mit Behinderungen, weil ihre Identität abgewertet wird.
Besser:
- Als Tipp: Man kann sich überlegen, was man eigentlich damit sagen will. Was ist es denn, was mich stört?
- Zum Beispiel: „Das mag ich nicht.“, „Das stört mich.“, „Das ist riskant.“, „Das ist lächerlich.“
„Du bist viel zu hübsch, um im Rollstuhl zu sitzen!“
Warum ist das ableistisch?
- Es ist als Kompliment gemeint, aber es ist nicht positiv.
- Die Aussage setzt Schönheit und Behinderung in Widerspruch („du kannst nicht hübsch sein UND einen Rollstuhl nutzen“).
- Sie vermittelt die Vorstellung, dass Behinderung etwas ist, das Schönheit oder Attraktivität ausschließt.
- Die Person wird auf ihr Aussehen reduziert, während Behinderung als etwas Unerwünschtes dargestellt wird.
Besser:
- „Du siehst gut aus.“
- Oder gänzlich auf eine Bewertung äußerlicher Merkmale verzichten.
Diese Beispiele ableistischer Äußerungen zeigen, dass ableistische Sprache nicht immer feindlich oder absichtlich abwertend sein muss. Auch hinter vermeintlichen Komplimenten kann Ableismus stecken.
Was tun gegen Ableismus?
- Einen sicheren und inklusiven Rahmen schaffen
Räume (physisch und sozial) so gestalten, dass sich alle Menschen willkommen und respektiert fühlen – z. B. durch Barrierefreiheit, klare Regeln gegen Diskriminierung und inklusive Angebote. - Zuhören und ernst nehmen
Erfahrungen von behinderten Menschen nicht relativieren oder infrage stellen, sondern aktiv zuhören und ihre Perspektiven anerkennen. - Eigene Sprache reflektieren
Ableistische Begriffe und Redewendungen hinterfragen und vermeiden (z. B. „das ist doch behindert“). Sprache prägt Denken. - Barrieren erkennen und (wenn möglich) beseitigen
Dazu gehören nicht nur bauliche Hindernisse, sondern auch soziale, digitale und strukturelle Barrieren. - Nicht über, sondern mit behinderten Menschen sprechen
Betroffene aktiv einbeziehen – in Gespräche, Entscheidungen und Lösungen.
Das ist auch wichtig:
- Eigene Privilegien reflektieren
Sich bewusst machen, welche Vorteile man selbst hat und wie diese die eigene Perspektive beeinflussen. - Wissen aufbauen und weitergeben
Sich über Ableismus informieren und andere sensibel darauf aufmerksam machen. - Solidarisch handeln (Allyship)
Bei diskriminierenden Aussagen oder Situationen einschreiten – wenn es sicher möglich ist. - Selbstbestimmung respektieren
Nicht ungefragt helfen oder Entscheidungen für andere treffen.
Wo kann ich mehr erfahren über Ableismus?
Information in unterschiedlichen Medienformaten:
- [Buch]
Bist du behindert, oder was? – Kinder inklusiv stärken und ableismussensibel begleiten
ein Buch von Rebecca Maskos und Mareike Kaiser - [Video]
FÄKT mit Rahel More: Inklusion und Ableismus erklärt
ein YouTube-Video des FÄKT Kanals (= Österreichische Wissenschaft neu erzählt – verständlich, visuell, lehrplanorientiert) - [Podcast]
Was ist Ableismus? (#47)
ein Podcast (mit Transkript) mit Karina Sturm und Anne Gersdorff im Rahmen des Projekts Die Neue Norm – das Magazin für Disability Mainstreaming
Informationen zur Forschung in Österreich und Deutschland finden Sie unter:
Fähigkeitensammlung
Wir haben mit den Besucher*innen über Fähigkeiten gesprochen und wie diese mit Ableismus zusammenhängen. Dafür konnten sie überlegen:
- Was bedeutet für mich Fähigkeit?
- Welche Fähigkeiten sind mir in meinem Leben wichtig?

Fähigkeiten, die den Besucher*innen wichtig waren und warum

Die Fragen konnte man zur Erhöhung der Barrierefreiheit auch digital beantworten


